Lisa auf dem Sprung ins U16-Nationalteam

Lütau, 24.10.2019 - (Von Christoph Staffen, Lübecker Nachrichten) Die Spannung steigt von Tag zu Tag: Wann kommt endlich die Mail vom Deutschen Fußball-bund? Und wenn: Was steht drin? Die 15jährige Lisa Gora von der Sportvereinigung Lütau ist auf Abruf für den Sichtungslehrgang der U16-Nationalmannschaft nominiert, die sich ab Montag in Hennef trifft. „Allein der Sprung in den erweiterten Kader macht uns stolz“, sagt Benjamin von Appen, Jugendleiter bei den Lauenburgern: „So viele Nationalspieler hat unser Verein ja noch nicht hervorgebracht...“

Lisa im Einsatz für ihr Team der Gallbergkicker [Foto: Holger Meyer]

 

Thorben Wurr (Verbandsliga beim FC Mecklenburg Schwerin) und Hendrik Wurr (Regionalliga Nordost beim VFB Auerbach), die beide ihre Laufbahn im „Gallbergstadion“begannen, spielen aktuell höherklassig. Einen Adler auf der Brust hatte aber noch kein Lütauer.

Foto: Lisa Gora spielte sich beim Länderpokal in Duisburg in den Fokus. Auf dem Weg in die U16-nationalmannschaft unterstützt und gefördert wird die Lütauerin von ihrem Stiefvater und Trainer Gerd Miebs.

 

Bislang flog Lisa, die bislang bei den Jungs der SG Südkreis kickte, etwas unter dem Radar der Talentscouts. Das änderte sich, als ihr Stiefvater und Trainer bei der SG, Gerd Miebs, bei Schleswig-holsteins Landesauswahl-trainer Dieter Bollow vorstellig wurde und ihn auf Lisa aufmerksam machte. Die nutzte ihre Chance im April beim U16-länderpokal in Duisburg, wo das SHFV-TEAM Platz 7 belegte. Sogar in der U18-landesauswahl kam die Lütauerin schon zum Einsatz.

Im Sommer startete Lisa richtig durch: Gerd Miebs organisierte beim Hamburger SV ein Probetraining, bei dem sie Trainer Felix Karch sofort überzeugte. Obwohl: „Ich bin seit Jahren Bayern-fan, und dazu stehe ich weiter, auch wenn ich jetzt beim HSV bin“, erklärt die 15-Jährige. Sie wurde in der Innenverteidigung der Hamburgerinnen (ansonsten läuft sie meistens als Sechserin auf) sofort Stammspielerin und führt mit den U17-juniorinnen der Rothosen nach sechs Siegen aus sechs Spielen ungeschlagen die Nordgruppe der Bundesliga an.

„Den Ball hat sie eigentlich immer am Fuß, schon wenn sie morgens aufsteht. Das geht so eigentlich den ganzen Tag“, erläutert Miebs. So ließ es sich Lisa auch nicht nehmen, per Zweitspielrecht weiterhin für die B-junioren der SG Südkreis in der Kreisliga aufzulaufen – wenn es die Zeit zulässt. Schließlich stehen über die ganze Woche diverse Spiele plus Trainingseinheiten in Lütau, Hamburg und beim Landesverband in Malente an.

„Das Talent wurde ihr sicherlich in die Wiege gelegt“, sagt von Appen, „aber zu ihrer Technik und Spielintelligenz gehört auch viel Ehrgeiz. Sie will sich immer weiterentwickeln.“„Alles andere ist Nebensache“unterstreicht Miebs, der die Weichen für die Nationalmannschaft bereits gestellt hat: „Wir haben diverse Formulare bekommen, ausgefüllt und zurückgeschickt. Beim DFB scheint man von Lisa angetan zu sein. Wenn sie für den Montag beginnenden, dreitägigen Lehrgang in Hennef nominiert wird, sind wir jedenfalls bereit.“

Lisa brennt jedenfalls darauf, bei Bundestrainerin Anouschka Bernhard im Kreis von Kickerinnen von Turbine Potsdam, SGS Essen, SC Freiburg, Bayer Leverkusen und VFL Wolfsburg vorspielen zu dürfen. Doch noch wartet sie auf die Mail vom DFB – und die Bestätigung, dass sie tatsächlich dabei ist. Ihre Hamburger Teamkollegin Sophie Charlotte Nachtigall hat ihr Ticket bereits in der Tasche. Eine Schleswig-holsteinerin ist – noch – nicht dabei. Neben Lisa Gora von der Spvgg Lütau ist auch Ronja Jürgensen Ronja vom TSV Neudorf-Bornstein vorerst auf Abruf nominiert worden.